IT-Dienstleister wechseln

So gelingt der Umstieg ohne Betriebsunterbrechung

Der Support meldet sich erst am zweiten Tag. Niemand kann erklären, warum der Server so eingerichtet ist, wie er eingerichtet ist. Und die Rechnung steigt jedes Jahr, ohne dass sich spürbar etwas verbessert. Irgendwann steht die Frage im Raum, ob man den IT-Dienstleister wechseln sollte.

Die technische Seite ist dabei selten das Problem. Was bei einem Wechsel schiefgeht, geht fast immer bei der Übergabe schief: fehlende Zugänge, Lizenzen, die auf den alten Anbieter laufen, und eine Dokumentation, die es nie gab. Dieser Beitrag beschreibt, wie ein geordneter Wechsel abläuft und worauf Sie achten sollten, bevor Sie kündigen.

Kurz gesagt

Ein geordneter Wechsel des IT-Dienstleisters dauert in der Regel vier bis acht Wochen. Der kritische Punkt ist nicht die Technik, sondern die vollständige Herausgabe von Zugängen, Lizenzen und Dokumentation. Kündigen Sie deshalb erst, wenn Sie wissen, was Sie zurückbekommen müssen, und wenn der neue Partner die Übergabe begleiten kann. Wer in umgekehrter Reihenfolge vorgeht, verhandelt aus der schwächeren Position.

Wann ein Wechsel angebracht ist

Eine schlechte Woche ist noch kein Grund, den Dienstleister zu wechseln. Ein Wechsel kostet Zeit, bindet interne Kapazität und bringt für einige Wochen Unruhe in den Betrieb. Er lohnt sich, wenn die Probleme strukturell sind – nicht, wenn ein einzelner Ticketverlauf unglücklich lief.

Diese Anzeichen sprechen erfahrungsgemäß für einen strukturellen Wechselgrund:

  • Sie erfahren von Störungen zuerst von Ihren Mitarbeitern, nicht von Ihrem Dienstleister.
  • Es gibt keine aktuelle Dokumentation Ihrer Systeme – oder sie liegt ausschließlich beim Dienstleister.
  • Sicherheitsthemen wie Backup-Tests, Patchstand oder Multi-Faktor-Authentifizierung kommen nie von selbst auf den Tisch.
  • Sie haben keinen festen Ansprechpartner, sondern bei jedem Vorgang jemand anderen.
  • Aufgaben werden erledigt, aber nie erklärt. Sie wissen nicht, wofür Sie zahlen.

Eine Gegenprobe lohnt sich trotzdem: Manchmal liegt das Problem nicht am Dienstleister, sondern am Vertrag. Wer eine reine Störungsbehebung nach Aufwand beauftragt hat, bekommt keine vorausschauende Betreuung – das ist kein Versäumnis, sondern schlicht nicht bestellt. In diesem Fall ist ein Gespräch über das Vertragsmodell der günstigere Weg als ein kompletter Wechsel.

Was Sie klären sollten, bevor Sie kündigen

Vertragslaufzeit und Kündigungsfrist
Betreuungsverträge im Mittelstand laufen typischerweise zwölf Monate mit automatischer Verlängerung und einer Frist von einem bis drei Monaten. Wer die Frist verpasst, hängt ein weiteres Jahr fest. Prüfen Sie außerdem, ob einzelne Leistungen abweichende Laufzeiten haben – Softwareabonnements, Monitoring und Backup-Dienste laufen oft in eigenen Verträgen mit eigenen Terminen.
Wem gehört eigentlich was?
Das ist der Punkt, der bei Wechseln am häufigsten unterschätzt wird. Klären Sie vor der Kündigung schriftlich, wer Inhaber der Domains ist, auf wen Softwarelizenzen registriert sind, wem die Hardware gehört und wer Zugang zu den Verwaltungsoberflächen von Firewall, Backup und Telefonanlage hat. Nicht selten stellt sich heraus, dass die eigenen Systeme unter dem Konto des Dienstleisters geführt werden.
Ihr Anspruch auf Herausgabe
Sie stehen hier nicht mit leeren Händen da. Nach Artikel 28 der Datenschutz-Grundverordnung muss ein Auftragsverarbeiter – und das ist Ihr IT-Dienstleister in aller Regel – nach Ende der Leistung alle personenbezogenen Daten nach Ihrer Wahl zurückgeben oder löschen. Wenn Sie einen Auftragsverarbeitungsvertrag abgeschlossen haben, ist dieser Anspruch dort geregelt.

Die Ausstiegsklausel, die oft fehlt

Das BSI empfiehlt in seinem IT-Grundschutz-Baustein zum Outsourcing darüber hinaus, die geordnete Beendigung eines Dienstleistungsverhältnisses bereits im Vertrag zu regeln – für den geplanten wie für den ungeplanten Fall. Ziel ist, dass die Geschäftstätigkeit beim Wechsel nicht beeinträchtigt wird, dass der Kunde alle Informationen und Daten zurückerhält und dass der Dienstleister seine Bestände danach sicher löscht. Wenn Sie ohnehin gerade Verträge anfassen: Genau diese Klausel gehört in den neuen.

Der Ablauf in fünf Schritten

1

Bestandsaufnahme – bevor irgendjemand etwas erfährt

Erfassen Sie, was Sie eigentlich betreiben: Server, Arbeitsplätze, Netzwerkkomponenten, Softwarelizenzen, Cloud-Dienste, Domains, Verträge. Diese Liste ist die Grundlage für jedes Angebot, das Sie danach einholen – und sie zeigt oft schon, wo die Lücken sind.

2

Neuen Partner auswählen und Übergabe mitverhandeln

Lassen Sie sich nicht nur die laufende Betreuung anbieten, sondern auch die Übernahme. Ein erfahrener Dienstleister kalkuliert diesen Aufwand offen und sagt Ihnen, was er vom Vorgänger braucht. Wer die Übergabe als Nebensache behandelt, hat sie vermutlich noch nie sauber gemacht.

3

Kündigen – zum richtigen Termin

Erst wenn der neue Partner feststeht und ein Übergabetermin steht, wird gekündigt. Schriftlich, fristgerecht, mit Empfangsbestätigung. In dasselbe Schreiben gehört die Aufforderung zur Herausgabe aller Zugangsdaten, Dokumentationen und Lizenzinformationen – mit konkreter Frist.

4

Übergabephase – zwei bis vier Wochen Parallelbetrieb

Der neue Partner nimmt die Systeme auf, übernimmt Monitoring und Backup, dokumentiert und übernimmt schrittweise die Zuständigkeit. Ein sauberer Übergang hat eine Phase, in der beide Seiten Zugriff haben. Ein harter Schnitt an einem Stichtag ist der häufigste Grund für Ausfälle beim Wechsel.

5

Nachlauf – Zugänge des alten Dienstleisters entfernen

Nach Abschluss werden sämtliche Konten, VPN-Zugänge, Fernwartungstools und Administratorrechte des bisherigen Anbieters deaktiviert und dokumentiert. Dieser Schritt wird regelmäßig vergessen – und offene Fernwartungszugänge ehemaliger Dienstleister gehören zu den unangenehmsten Funden bei Sicherheitsprüfungen.

Fünf typische Stolperfallen

1

Microsoft-365-Lizenzen

Werden Ihre Lizenzen über das Partnerprogramm des bisherigen Dienstleisters abgerechnet, lassen sie sich nicht einfach mitnehmen. Eine Übertragung an einen anderen Partner setzt voraus, dass der abgebende Partner ihr aktiv zustimmt – Microsoft übergeht diese Zustimmung nicht. Hinzu kommen feste Abonnementlaufzeiten. Planen Sie diesen Punkt früh ein, im ungünstigen Fall bestimmt er den Wechseltermin.

2

Domain und DNS

Ist die Domain auf den Dienstleister registriert, brauchen Sie für den Umzug dessen Mitwirkung. Ohne Zugriff auf die DNS-Verwaltung lässt sich weder die Website noch der E-Mail-Verkehr umziehen. Klären Sie das früh – es ist der Punkt, an dem ein Wechsel am schnellsten blockiert.

3

Zugänge zu Drittsystemen

Firewall-Lizenzportale, Backup-Konsolen, Telefonanlage, Virenschutz, Monitoring: Jedes dieser Systeme hat ein eigenes Verwaltungskonto, und jedes läuft möglicherweise auf den Dienstleister. Eine vollständige Liste gehört in die Herausgabeaufforderung.

4

Verschlüsselte Backups

Ein Backup ohne den zugehörigen Schlüssel ist wertlos. Wenn Verschlüsselungspasswörter ausschließlich beim bisherigen Dienstleister liegen, sind ältere Sicherungen nach dem Wechsel praktisch verloren. Das ist der Punkt, den wir bei einer Übernahme zuerst prüfen würden.

5

Die Monitoring-Lücke

Zwischen der Abschaltung der alten Überwachung und dem Anlaufen der neuen entsteht ein Zeitfenster, in dem niemand hinschaut. Es sollte Stunden dauern, nicht Wochen – und es sollte im Übergabeplan ausdrücklich stehen.

Praxisbeispiel

Frage an RBS Netkom: Gibt es einen konkreten Fall aus einer Übernahme, bei dem einer dieser fünf Punkte tatsächlich zum Problem wurde? Zwei bis drei Sätze reichen, gerne anonymisiert (Branche und Betriebsgröße statt Firmenname). Beispiel für die Form: „Bei der Übernahme eines Handwerksbetriebs mit 40 Mitarbeitern stellte sich heraus, dass …“

Was das konkret bedeutet

Für einen Betrieb mit 20 bis 100 Mitarbeitern ohne eigene IT-Abteilung heißt das: Der Wechsel ist machbar, aber er will vorbereitet sein. Rechnen Sie mit vier bis acht Wochen vom ersten Gespräch bis zur abgeschlossenen Übergabe, und planen Sie die Kündigung so, dass der neue Partner vorher an Bord ist. Der Aufwand auf Ihrer Seite ist überschaubar – im Wesentlichen Verträge heraussuchen, Fragen beantworten und Entscheidungen treffen. Den Rest sollte der neue Dienstleister übernehmen.

Und ein Nebeneffekt, der oft unterschätzt wird: Eine saubere Übernahme ist gleichzeitig die gründlichste Bestandsaufnahme, die Ihre IT seit Jahren erlebt hat. Was dabei ans Licht kommt – nicht getestete Backups, veraltete Systeme, Zugänge längst ausgeschiedener Mitarbeiter – ist für viele Betriebe der eigentliche Gewinn des Wechsels.

Das würden wir tun

Bevor Sie irgendetwas kündigen: eine strukturierte Bestandsaufnahme Ihrer Systeme, Verträge und Zugänge. Sie kostet wenig Zeit, schafft Verhandlungsposition und ist die Grundlage für jedes belastbare Angebot. Wenn dabei herauskommt, dass der bisherige Partner besser ist als gedacht, haben Sie ebenfalls etwas gewonnen.
Wie wir eine solche Bestandsaufnahme durchführen, lesen Sie hier: [Link → IT-Bestandsaufnahme]

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