Cybersicherheits­bericht Bayern 2026​

Die bayerische Staatsregierung hat den Bericht zur Cybersicherheit in Bayern 2026 vorgestellt. Die Zahlen darin sind keine Überraschung, aber sie sind deutlich – und sie betreffen nicht nur Behörden und Konzerne.

Die bayerische Polizei hat für 2025 insgesamt 49.468 Fälle von Cyberkriminalität erfasst, ein Anstieg von 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die tatsächliche Zahl dürfte deutlich höher liegen – der Bericht geht davon aus, dass die Dunkelziffer ein Vielfaches beträgt.

Auffälliger als der Gesamtwert ist die Entwicklung bei Ransomware: Das Bayerische Landeskriminalamt registrierte 230 Fälle im Jahr 2025 gegenüber 195 im Vorjahr – ein Plus von 18 Prozent. Betroffen waren Unternehmen ebenso wie öffentliche Einrichtungen.

Bei den politisch motivierten Angriffen nennt Innenminister Joachim Herrmann Russland, China und Nordkorea als Hauptverursacher. Die hybride Bedrohung aus Spionage, Sabotage, Desinformation und Cyberangriffen habe seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine „ein nie gekanntes Level erreicht“. Für 2026 rechnet die Staatsregierung nicht mit einer Entspannung, sondern eher mit einer weiteren Zunahme.

Zwei weitere Punkte aus dem Bericht sind für Unternehmen relevanter, als sie auf den ersten Blick wirken. Erstens dominieren nach wie vor die klassischen Angriffswege – allen voran Phishing, zunehmend in Form von Quishing, bei dem gefälschte QR-Codes zum Einsatz kommen. Zweitens senkt künstliche Intelligenz die Einstiegshürde: Angriffe lassen sich damit auch ohne tiefe technische Kenntnisse vorbereiten und durchführen.

Was das für mittelständische Unternehmen bedeutet

Die Schlagzeile handelt von Geheimdiensten und kritischer Infrastruktur. Der Teil, der einen Betrieb mit 30 oder 80 Mitarbeitern betrifft, steht weiter unten im Bericht – und er ist unspektakulär: Es sind weiterhin Phishing und Ransomware, die den Schaden anrichten. Nicht ausgefeilte Zero-Day-Angriffe, sondern eine E-Mail, die jemand geöffnet hat.

Der Hinweis auf KI verschiebt dabei etwas Wesentliches. Bislang war schlechtes Deutsch eines der zuverlässigsten Erkennungsmerkmale einer Phishing-Mail. Dieses Merkmal fällt weg. Angeschriebene bekommen künftig fehlerfreie, auf das Unternehmen zugeschnittene Nachrichten – und die Faustregel „unsere Leute erkennen sowas“ trägt nicht mehr.

Auch der QR-Code-Trick zielt genau auf diese Lücke: Ein QR-Code lässt sich weder von einem Spamfilter noch von einem aufmerksamen Menschen als Link erkennen, bevor er gescannt ist. Und gescannt wird meist mit dem privaten Handy, das kein Firmenschutz absichert.

Was wir empfehlen

Vier Punkte, die sich ohne Großprojekt umsetzen lassen und die genau an den Stellen ansetzen, die der Bericht benennt:

Multi-Faktor-Authentifizierung überall aktivieren. Ein gestohlenes Passwort nützt Angreifern wenig, wenn ein zweiter Faktor fehlt. Das ist die wirksamste Einzelmaßnahme gegen die Folgen von Phishing – und in Microsoft 365 ohne Zusatzkosten aktivierbar.

Backups auf Wiederherstellbarkeit prüfen, nicht auf Existenz. Bei Ransomware entscheidet nicht, ob ein Backup läuft, sondern ob es sich zurückspielen lässt und ob es vom Angreifer nicht mitverschlüsselt werden konnte. Ein Testlauf pro Quartal reicht, um das zu wissen.

Mitarbeiter auf QR-Codes hinweisen. Ein kurzer Hinweis im Team genügt oft: QR-Codes in E-Mails, auf Briefen oder auf überklebten Aufstellern nicht scannen, ohne die Herkunft zu prüfen. Das kostet fünf Minuten und schließt eine Lücke, die viele noch gar nicht auf dem Schirm haben.

Festlegen, wer im Ernstfall was tut. Wer wird informiert, wer trennt betroffene Systeme vom Netz, wer meldet den Vorfall? Diese Fragen im Ernstfall zu klären, kostet die Stunden, auf die es ankommt.

Das würden wir tun

Wenn Sie nur eine Sache aus dieser Meldung mitnehmen: Prüfen Sie, ob Ihre Backups tatsächlich wiederherstellbar sind. Nicht, ob sie laufen – das tun sie fast immer – sondern ob sich ein System daraus zurückholen lässt und ob die Sicherungen so liegen, dass ein Angreifer sie nicht mitverschlüsseln kann. Das ist die Maßnahme, die bei einem Ransomware-Fall über den Unterschied zwischen zwei Tagen und zwei Wochen Stillstand entscheidet.

Quellen

Bericht zur Cybersicherheit in Bayern 2026, vorgestellt von Innenminister Joachim Herrmann, Finanzminister Albert Füracker und Justizminister Georg Eisenreich.

Die Pressemitteilung des Bayerischen Staatsministeriums des Innern

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